Mein erster Marathon

Im April 2014 hatte ich mit dem Laufen angefangen.
Verletzungsbedingt musste ich seitdem mehrere Monate das Training aussetzen und auch die Diagnose zum Diabetes Typ 1 im November letzten Jahres, führte zu einer Laufpause.
Durch den Schlüsselbeinbruch letzten Sommer konnte ich nicht wie geplant meinen ersten Marathon in Plettenberg laufen.
Als im September zuerst Diabetes Typ 2 diagnostiziert wurde, ich eh schon Spaß am Laufen gefunden hatte und Laufen ja bekanntlich gut bei Typ 2 ist, setzte ich mir aus Trotz und Frust das Ziel, den Vivawest Marathon zu laufen.

Dazu hatte ich mir dann einen Trainingsplan zurecht gelegt, so klassisch in mehrere in sich steigernde Wochen bis hin zum Marathon.
Dann kam es natürlich anders als gedacht und Typ1 wurde diagnostiziert. Damit musste ich jetzt erstmal zurecht kommen. Wochen der Grundeinstellung folgten und Laufen, geschweige denn Training fand gar nicht statt.
Dies setzte erste wieder im Februar ein. Zuerst zaghaft, viel Walking dabei. Im März dann 215 km gelaufen und im April knapp über 400 km.
Zwischendurch immer wieder Unterbrechungen wegen Erkältungen.
Effektives Training sieht wahrlich anders aus.

Und dann war auf einmal Mai und schneller als gedacht der 17. Mai, der Tag des Wettkampf, da.
Natürlich verstärkten sich die Zweifel, ob das so gut ist was ich da mache. Wirklich bereit für die Marathondistanz fühlte ich mich nun so gar nicht.
Der nächste Rückschlag war ein paar Tage vor dem Raceday. Ich riss mir versehentlich den Sensor des FreeStyle Libre ab. Na super, echt Klasse. So schnell werde ich keinen Ersatz geliefert bekommen und einen weiteren Sensor hatte ich auch nicht da.
Erste Stimmen aus der Familie wurde laut, ich solle doch dann lieber nicht starten, so ohne Sensor.
Und warum nicht? Andere haben auch keinen Sensor zur Blutzuckerüberwachung. die machen das auch ganz klassisch mit stechen und Messstreifen. Wo soll da dann das Problem sein?
Nun gut, ich kannte mich dem der Messen des Blutzucker mittels Teststreifen nicht wirklich gut aus, trage ich doch seit Anfang November schon das Freestyle Libre System. Vorher hatte ich zwar gestochen und gemessen, aber nur zur Überwachung des Blutzucker während der kurzen Typ 2 Phase, nicht um den BZ aktiv zu managen.
Egal, wird schon klappen.

Samstag Abend, vor dem Marathon: Kopfschmerzen und die Stirnhöhlen zu sitzen. Super, auch das noch.
Um 21 Uhr ab ins Bett.

Sonntagmorgen, 4 Uhr, der Wecker vibriert. Zeit zum Aufstehen. Nase zu, Kopfschmerzen.
Blutzucker 110 mg/dL, alles im grünen Bereich.
Völlig Lustlos esse ich dann mal was, packe die Tasche und begebe mich zu Fuss zum Bahnhof. So früh fährt auf dem Land Sonntags nunmal keine Busse.

IMG_2752In Gelsenkirchen angekommen hatte ich alle Zeit der Welt. 2 Stunden bis zum Start. Also etwas abgehangen, mir die hektischen Startvorbereitungen anderer angeschaut. BZ gelassen: 251 mg/dL hmm ?!
5 Einheiten Insulin gespritzt, Kleinigkeit gegessen.
Was mache ich eigentlich hier?
Auf dem neue gelegenen Sportplatz 3 Runden zum warm laufen absolviert. Etwas Dehnen, fertig. Zu mehr habe ich keinen Nerv.

30 Minuten vor dem Start BZ 240 mg/dL. Kein Grund zur Sorge beschließe ich.
Dann gesellte ich mich in meinen Startblock. Startblock Grün, ganz am Ende. Hatte ich keine Bestzeit angeben können bei der Anmeldung. Sei es drum, die Marathonisten hatten nur zwei Startblöcke, die im Abstand von 10 Minuten auf die Runde gingen.
Blöd nur das die Zugläufer alle im ersten Block starten. Also das Tempo anhand der Pace der Garmin Fenix 2 kontrollieren.
Unser Block steht nun an der Startlinie. Das übliche Geplänkel vor dem Start: Hände hoch, etwas schunkeln. Kann man machen, muss man nicht. Ich entscheide mich für die zweite Variante.
Startschuss. Alles stürmt los.
Die ersten 3 Kilometer zu schnell (5:26/5:39/5:33 Puls 170). OK, versuchen etwas Tempo rauszunehmen. Ziel ist ja nicht irgendeine utopische Bestzeit, Ziel ist Durchkommen, kein DNF beim ersten Versuch.
IMG_2756Die ersten 10 km dann unter einer Stunde, soweit alles ok.
Schnell ein Powerbar Gel reingedrückt.
Bei km 12 habe ich dann im vollen Lauf Blutzucker gemessen. Sofern man weiß wo die Utensilien dazu in den verschiedenen Taschen verstaut sind, ist das kein allzu großes Problem.
BZ 110 mg/dL
Ein paar Dextro Energy Traubenzucker einverleibt und weiter ging es.
Bis km 20 alles in Ordnung soweit. Auch die letzten 10 km unter einer Stunde gelaufen und noch gut dabei gefühlt.
Das wellige Terrain ist aber nicht ohne. Das zweite Gel muss dran glauben.
KM 33, ich fühle mich noch immer gut. Besser als erwartet. Gel genommen und BZ gemessen: 235 mg/dL Huch! Zuviel Traubenzucker?
Egal, besser knapp über 200 als kurz vor dem Unterzucker rumdümpeln.
Zudem lag ich noch immer unter 3 Stunden was bedeutet das auch die letzten 10 km unter einer Stunde geblieben sind.
Mittlerweile hatte ich aber auch leichte Schmerzen in der Hüfte und Leiste. War aber auszuhalten. Das belegen aber auch die Zeiten. Km 28 – km 33 durchweg über 6 Minuten/km
Km 34, noch mal aufbäumen, unter 6 Minuten.
Km 37, ich muss zum ersten mal Gehen. Über 7 Min/km
Km 38, 39 und 40 sind jeweils eine Mischung aus Gehen und Laufen. Ich bekomme die Beine kaum noch hoch. Der Übergang von Gehen zu Laufen tut wirklich weh.
Km 41 und 42, ich Gehe fast komplett. Mir doch egal. Auch Aufmunterungen entlang der Strecke von den Zuschauern interessieren mich kaum noch. Wer ist denn für den Anstieg kurz vor dem Ziel verantwortlich?
Zielgerade, Kurz, zum Glück. Ich versuche nochmal zu laufen, was aber eher an einen Zombiewalk erinnert.
IMG_2757Egal, bei 4 Stunden 28 Minuten und 37 Sekunden überquere ich die Ziellinie.
Ende, Leere, aus und vorbei. Minimalziel, also kein DNF, ist erreicht.
Schnell noch ein Erdiger Alkoholfrei genehmigt, dann wurde mir kalt.
Was sagt der Blutzucker? 235 mg/dL. Liegt wohl an der Cola die ich jeweils an den letzten 3 Verpflegungsstellen getrunken hatte. Ist aber noch im Rahmen finde ich.
Schnell umziehen, ab und weg von hier.

Rolltreppen am Bahnhof, tolle Erfindung 😉

1 Kommentar zu Mein erster Marathon

  1. Klasse Einblick in deine Gefühlswelt vor und während dem Marathon. Herzlichen Glückwunsch zum Finish! Du gibst mir Mut das auch ich das schaffen kann. Mein Ziel ist es den Marathon in Köln im Alter von 50 Jahren zu laufen. Ich finde das ist ein guter Zeitpunkt und ich habe noch drei Jahre zum trainieren.
    Wünsche dir weiterhin viel Erfolg und das deine Erkrankung das Laufen nicht irgendwann verhindert.

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  1. Jahresrückblick 2015 | sugarrunner

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